Neu glauben lernen? - Dezember 2018

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Neu glauben lernen ?

Was ist in unserer Zeit noch selbstverständlich? Viele Traditionen, (religiöse) Überzeugungen, sind unsicher und fraglicher geworden. Unser christlicher Glaube ist für viele längst nicht mehr selbstverständlich, fremd, selbst für nicht wenige Christen. Viele Wissen einfach zu wenig über ihren Glauben. Christentum, Religion überhaupt, sei unmodern, unaufgeklärt, irgendwie von gestern. Man beruft sich dann auf „ die Geschichte“: Inquisition, Hexenverbrennungen, von Christen geführten Kriege und begangene Gewalt. Religion soll heute noch bestenfalls Privatsache sein, ohne Relevanz für die Gesellschaft. Aber Religion ist nicht nur einfach Privatsache. Man muss sich zwar individuell, persönlich, für den Glauben entscheiden (und insofern ist das „privat“), aber das Glauben selbst hat Folgen für das Zusammenleben.

Diese immer mehr pluralistisch werdende Welt verlangt einen eigenen Standpunkt. Wenn ich meiner selbst unsicher bin, bin ich nicht wirklich fähig zu Offenheit und Toleranz gegenüber den von mir verschiedenen, den anderen, die ich in ihrer Andersheit zu respektieren soll.

Seiner selbst sicher sein heißt deshalb nicht, keine (Glaubens) Fragen mehr zu haben, sondern sich den Fragen (und den Antworten) immer neu zu stellen, sie durchzustehen. In diesem Sinne heißt Christsein eben nicht einfach das Fürwahrhalten von Glaubenssätzen, sondern heißt immer neu nach Wege eines guten, sinnvollen Leben zu suchen, im Sinne meines Glaubens. Der - nicht mehr selbstverständliche christliche - Glaube muss immer neu buchstabiert,  durch Sprache, Denken und menschliche Erfahrung ins Gegenwärtige, übersetzt und jeweils neu „gelernt“ werden. Als Christ ist man nie fertig damit.

Man darf jedenfalls nicht in seinem guten Kinderglauben stecken bleiben. Als Jungendliche und spätestens als Erwachsene haben wir für unseren Glauben, vor der eigenen Vernunft und auch vor den Fragen und dem Widerspruch der anderen Rechenschaft abzulegen. Deswegen müssen wir viele „Glaubenssätze“ neu, in einer anderen Sprache formulieren und dadurch die Glaubensinhalte neu verstehen lernen. Deswegen sind Bibel- und Gesprächsrunden so lebenswichtig für unseren christlichen Glauben.

Ihr Pfarrer
P. Julius Saeys osc

 
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