Meinen Glauben erneuern? - Okt 2020

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Meinen Glauben erneuern?


Das Evangelium ist eine froh machende, befreiende Botschaft. Empfinden wir das wirklich so? Macht das, was wir glauben, uns wirklich froh? Was glauben wir? Das sagen wir jeden Sonntag im „Glaubensbekenntnis“. Aber verstehen wir, was wir da sagen? Wir dürfen nicht vergessen: Dieser Text ist schon sehr alt: Im 4. Jahrhundert hat man gemeint, das „Wesentliche“ unseres Glaubens so zusammenfassen zu können. Aber ist das wirklich das „Wesentliche“? Was wird da z.B. über Jesus gesagt: „Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria...“. Also etwas über seine Geburt. Und dann ein großer Sprung zu seinem Lebensende: “..gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel...“.

Was hat Jesus aber alles gesagt und getan? Darüber wird mit keinem
Wort etwas gesagt. Was war das Anliegen Jesu von Nazareth? Wozu wusste er sich gesandt? Was stand im Zentrum seines öffentlichen Auftretens? Das „Reich Gottes“ ist Inbegriff seiner Predigt,  Kerngehalt des christlichen Glaubens: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme....“ Statt sich aber auf die Botschaft vom Kommen des Gottesreiches zu konzentrieren, richtete sich der Blick kirchlicher Verkündigung so sehr auf Kreuz und Auferstehung Jesu, dass seine Predigt über das Reich Gottes in Vergessenheit geraten ist.


Darüber hinaus hat man „den Glauben“ in theologischen Begriffe wie „Erbsünde“, „Erlösung“, „Heil“, „Opferlamm“, „Jenseits“, oder Wendungen wie „Allmächtiger Gott“, „Heilig, Herr Gott Zebaoth“, „Jesu Opfertod“, „Geboren aus Maria der Jungfrau“ verpackt. Diese treffen zunehmend auf Unverständnis. Sie „sagen“ den Durchschnittchristen nicht mehr viel. Deswegen müssen wir eher von einer „Glaubenskrise“ reden. Oder, wie es der Theologe Christoph Böttigheimer in seinem Buch „Die Reich-Gottes-Botschaft Jesu. Verlorene Mitte christlichen Glaubens“ sagt: „Alle bisherigen pastoralen Erneuerungsbestrebungen haben die Kirchenkrise nicht lösen können (denn) das eigentliche Problem liegt tiefer..  Es betrifft das Was des Glaubens. Anstatt von einer Kirchenkrise muss von einer Glaubenskrise ausgegangen werden. Aber nicht mangelnder Glaubenswille begründet die krisenhafte Situation, sondern der Glaubensinhalt selbst ist zum Problem geworden.“

Wir müssen also unseren Glauben „erneuern“, neu formulieren, uns intensiv damit auseinandersetzen, was Jesus uns sagen wollte mit seiner Botschaft des Reiches Gottes.
(Für Interessierte: Gerade mit diesem Thema beschäftigen wir uns im Bibelseminar, bei den monatlichen Treffen (2. Mittwoch, 19.30 Uhr) in Hl. Kreuz. Sie können da mitmachen!)


Ihr Pfarrer
P. Julius Saeys osc


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü