Glaubenskrise - Jänner2020

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Die Kirchen stecken in einer tiefen Krise. An dieser Aussage werden nur wenige zweifeln. Sie verlieren in erschreckendem Maße Mitglieder, der Gottesdienstbesuch sinkt kontinuierlich. Das gilt für beide großen Konfessionen.
 
Meiner Ansicht nach sind die Kirchenkrisen eine Glaubenskrise. Die Glaubenskrise ist für mich eine Vertrauenskrise. Und ich meine damit nicht ein fehlendes Vertrauen in die Kirchen, sondern ich meine das Vertrauen zu Gott. Die Glaubenskrise ist für mich eine Krise des Vertrauens zu Gott.
 
Und das ist auch kein Wunder. Wie jemandem vertrauen, den man nicht mehr kennt. Vielleicht möchten Sie einwenden, dass viele Menschen noch eine Menge über Jesus und Gott wissen. Das ist auch gut und wichtig für das Vertrauen, schafft aber noch keines: Ich kann zum Beispiel sehr viel über meinen Nachbarn wissen: Wie alt er ist, wer seine Eltern sind, ob er Geschwister hat, was er beruflich macht, welche Hobbys er pflegt – das heißt aber noch lange nicht, dass ich ihm vertraue.
 
Vertrauen braucht als Grundlage eine längere Beziehung. Vielleicht möchten Sie einwenden, eine Gottesbeziehung haben doch viele als Kinder und Jugendliche gehabt, haben viele Kinder und Jugendliche noch heute, doch Sie wissen, wie das mit Kinder- und Jugendfreundschaften ist: Manche halten ein Leben lang – und das ist eine sehr schöne Erfahrung –, andere verlaufen aus ganz unterschiedlichen Gründen im Sand. Die Beziehungen, die halten, werden auch gepflegt und deshalb halten sie.
 
So ist es auch mit der Gottesbeziehung. Doch es braucht noch ein Drittes, damit aus der Beziehung Vertrauen werden kann: Mut. Vertrauen zu Gott braucht Mut. Mut, nicht nur auf die eigene Kräfte zu bauen. Mut, sich auf Wege einzulassen, die ich nicht überschauen kann. Mut, nicht um mich selbst zu kreisen. Mut, auch dann zu vertrauen, wenn ich nicht alles verstehe. Mut zum Glauben zu haben? Gott begegnen zu wollen und eine Beziehung zu ihm zu pflegen?
 
Das sind schwierige Fragen, doch sie lohnen jede Anstrengung. Nicht zuerst für die Kirchen, sondern für die Menschen, die ohne Gottvertrauen leben und so etwas Wunderbares verpassen.    
Michael Tillmann
 
 
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