Verkündigungssprache - Februar 2020

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VERKÜNDIGUNG

IN HEUTIGER SPRACHE ?
 

 
Das Evangelium ist eine froh machende, befreiende Botschaft, heißt es. Empfinden Sie das so? Die traditionellen theologischen Begriffe wie „Erbsünde“, „Erlö-sung“, „Heil“, „Opferlamm“, Jesu Opfertod“, „Geboren aus Maria, der Jungfrau“ werden immer weniger verstanden. Die Sakramente, Taufe, Erstkommunion, Hochzeit, dienen oft nur noch zur Verschönerung von Familienfesten. Müssen wir die Glaubensbotschaft nicht anders, neu formulieren und verstehen?

Jede Generation muss die „Glau-benswahrheiten“ für sich neu aktualisieren: Was bedeuten sie für uns heute, für unser Leben? Viele Christen sehen die Welt und die Religion kritisch. Endlich ist die „Aufklärung“ mit ihrem Aufruf, sich der Vernunft zu bedienen, bei vielen angekommen. Sie fragen: Was heißt Erlösung? Erbsünde? Heil? Das sind berechtigte Fragen für mündige Christen.
 
Die Naturwissenschaften haben unser Lebensgefühl massiv verändert und auch bestimmte religiösen Vorstellungen in Frage gestellt. Leider merkt man davon im kirchlichen, gottesdienstlichen Leben relativ wenig. Über die Geschichten der Bibel zur Herkunft des Lebens, des Menschen und der zentralen Rolle der Erde wird oft gelächelt. Warum werden die Erkenntnisse des Kosmos, der Evolution, der Hirnforschung ... (fast) nicht berücksichtigt?

Dass Sünde und Schuld in den liturgischen Texten, eine derart große Rolle spielen, stößt viele Menschen ab. Generell müsste das Gebiet der Gebets- und Liedertexte untersucht werden. Viele Vorstellungen aus vergangenen Jahrhunderten - sicherlich theologisch, literarisch, musikalisch wertvoll - werden mitgeschleppt, gehen aber am Lebensgefühl der heutigen Menschen vorbei, so etwa wie "Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt".

Den Glauben in heutiger Sprache zu verkündigen ist kein leichtes Unterfangen. Aber wenn es uns ernst ist mit dem Glauben, dass Gott für uns alle der Lebendige ist, so muss das in zeitgemäßen Bildern, Worten und Tönen verkündet werden, damit Menschen mit ihrem heutigen Lebensgefühl es verstehen können. Sonst werden sich die Kirchen immer weiter und immer mehr leeren.
 
Ihr Pfarrer
P. Julius Saeys osc
 
 
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