Rubrik: Dome in Europa - September 2021

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Rubrik: Dome in Europa

Schon der erste Blick auf die Hauptkirche der Diözese Graz-Seckau verrät, dass der heutige Dom nicht als Kathedralkirche errichtet wurde. Vielmehr hat Kaiser Friedrich III. das Gotteshaus zwischen 1438 und 1464 anstelle einer romanischen Kirche des 12. Jahrhunderts errichten lassen. Sie diente ihm als kaiserliche Hofkirche neben seinem Regierungssitz in der Grazer Burg.
Wechselvoll ist die Geschichte der heutigen Domkirche: Die kaiserliche Hofkirche diente auch als Pfarrkirche der Stadt Graz ehe sie zwischen 1577 und 1773 zur Kirche des Jesuitenordens wurde. 1786 wurde auf staatliche Anordnung der Diözesansitz in die Landeshauptstadt Graz verlegt. Die Kirche stieg in den Rang der Domkirche auf und wurde zum liturgischen Mittelpunkt des Bistums Seckau.



Foto: harry schiffer photodesign

Das Äußere des Domes zeigt also nach wie vor das Erscheinungsbild einer gotischen Kirche. In der Barockzeit wurden durch die Jesuiten an den Außenseiten barocke Kapellen sowie die Sakristei angebaut. Die schlichte Hauptfassade wird durch einen mächtigen Dachreiter bekrönt.
Die einheitlich barocke Ausstattung des Grazer Doms stammt aus der Jesuitenzeit und zeigt qualitätsvollstes barockes Handwerk. Der mächtige dreigeschossige Hochaltaraufbau am Ende der Apsis ist einmalig in der Steiermark. Der riesige Altaraufbau ist durch und durch aus verschiedenen Marmorarten aus in-und ausländischen Steinbrüchen gefertigt. Das theologische Programm des Hochaltars stammt vom Jesuitenpater Georg Kraxner, der hier 1730 bis 1733 ein wahrhaftes „theatrum sacrum“ – ein barockes, heiliges Theater – mithilfe der damals bekanntesten steirischen Künstler – erschaffen  hat.


Das Altarbild stammt vom Grazer Maler Franz Ignaz Flurer. Das Bild zeigt den Kirchenpatron Ägidius. Er wird als Benediktinermönch im Ordensgewand mit einer Hirschkuh neben sich gezeigt. Von göttlichem Licht umstrahlt wendet sich Ägidius den Hilfe suchenden Menschen – Müttern, Aussätzigen und Epileptikern – zu.

An den Seiten eines mächtigen Triumphbogens stehen auf hohen Marmorsockeln zwei weitere Besonderheiten der Grazer Domkirche. Es sind dies die Brauttruhen der Paola von Gonzaga, die in Mantua gefertigt wurden und feinste Schnitzereien aus Elfenbein aufweisen.

Heute werden die beiden Truhen als Reliquienschreine verwendet und zählen zu den wertvollsten Kostbarkeiten des Domes.
Sie wurden als Heiratsgut gefertigt als Paola von Gonzaga 1477 Graf Leonhard von Görz heiratete und von Mantua nach Schloss Bruck bei Lienz in Osttirol übersiedelte. Als 1617 Papst Paul V. der Ägidiuskirche in Graz Reliquien spendete, brachten die Jesuiten die Truhen nach Graz. Und seither dienen sie zur Aufbewahrung der Gebeine von Heiligen.
Die Darstellungen der Truhen gehören stilistisch der frühen Renaissance an. Inhaltlich sind sechs Triumphwägen dargestellt, die der Dichtung „I triomphi“ von Francesco Petrarca (1304–1374) folgen.

Die Darstellungen symbolisieren, dass die Keuschheit über die Liebe und der Tod über die Keuschheit siegt. Der Ruhm überdauert den Tod, jedoch setzt die Zeit dem Ruhm ein Ende. Zuletzt aber steht Gott über aller Zeit.


 
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