5. Fastensonntag- Lesejahr A
10.04.2011
Evangelium nach Mathäus (11,3-7.17.20-27.33b-45)
Die Schwestern des Lazarus ließen Jesus mitteilen: »Herr, dein Freund ist krank.« Als Jesus das hörte, sagte er: »Diese Krankheit führt nicht zum Tod. Sie dient dazu, die Herrlichkeit Gottes offenbar zu machen; denn durch sie wird der Sohn Gottes zu seiner Herrlichkeit gelangen.« Jesus liebte Marta und ihre Schwester und Lazarus. Aber als er die Nachricht erhielt, dass Lazarus krank sei, blieb er noch zwei Tage an demselben Ort. Erst dann sagte er zu seinen Jüngern: »Wir gehen nach Judäa zurück!«
Als Jesus nach Betanien kam, lag Lazarus schon vier Tage im Grab. Als Marta hörte, dass Jesus kam, ging sie ihm entgegen vor das Dorf, aber Maria blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: »Herr, wenn du hier gewesen wärst, hätte mein Bruder nicht sterben müssen. Aber ich weiß, dass Gott dir auch jetzt keine Bitte abschlägt.«
»Dein Bruder wird auferstehen«, sagte Jesus zu Marta. »Ich weiß«, erwiderte sie, »er wird auferstehen, wenn alle Toten lebendig werden, am letzten Tag.« Jesus sagte zu ihr: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer mich annimmt, wird leben, auch wenn er stirbt, und wer lebt und sich auf mich verlässt, wird niemals sterben, in Ewigkeit nicht. Glaubst du mir das?« Sie antwortete: »Ja, Herr, ich glaube, dass du der versprochene Retter bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.«
Jesus sah dass die Leute weinten. Da wurde er zornig und war sehr erregt. »Wo habt ihr ihn hingelegt?«, fragte er. »Komm und sieh es selbst, Herr!«, sagten sie. Jesus fing an zu weinen. Da sagten die Leute: »Er muss ihn sehr geliebt haben!« Aber einige meinten: »Den Blinden hat er sehend gemacht. Hätte er nicht verhindern können, dass Lazarus stirbt?«
Aufs Neue wurde Jesus zornig. Er ging zum Grab. Es bestand aus einer Höhle, deren Zugang mit einem Stein verschlossen war. »Nehmt den Stein weg!«, befahl er. Marta, die Schwester des Toten, wandte ein: »Herr, der Geruch! Er liegt doch schon vier Tage im Grab.« Jesus sagte zu ihr: »Ich habe dir doch gesagt, dass du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst, wenn du nur Glauben hast.« Da nahmen sie den Stein weg.
Jesus blickte zum Himmel auf und sagte: »Vater, ich danke dir, dass du meine Bitte erfüllst. Ich weiß, dass du mich immer erhörst. Aber wegen der Menschenmenge, die hier steht, spreche ich es aus damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.« Nach diesen Worten rief er laut: »Lazarus, komm heraus!« Der Tote kam heraus; seine Hände und Füße waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Tuch verhüllt. Jesus sagte: »Nehmt ihm das alles ab und lasst ihn nach Hause gehen!«
Gedanken zum Evangelium
An den letzten Sonntagen dieser Fastenzeit haben wir mit Hilfe einiger Erzählungen aus dem Johannesevangelium einiges über Jesus erfahren. Besonders über seine Bedeutung für uns und für unser Leben.
Jesus ist der Mensch in dem Gott wirkt, sich zu erkennen gibt. In Jesus erfahren Menschen die Nähe Gottes. Gottes Wesen wird in ihm und in seinem Handeln sichtbar. Jesus wird sozusagen von Gott „durchstrahlt“. Es geht eine Ausstrahlung von ihm aus, die etwas von Gottes Wärme und Güte spüren lässt. „Es ist gut, diese Erfahrung zu machen“, sagt Petrus. Lasst uns hier Hütten bauen und lasst uns ständig hier bleiben. Das war seine Tabor-Erfahrung, die auch wir dort machen können, wenn wir Gottes Nähe in uns spüren. Das beglückt, macht Freude. Aber es ist und kann kein Dauerzustand sein: Wir müssen immer wieder zurück ins Alltagsleben.
Weil Gott so in Jesus „aufleuchtet“, kann er uns zu Gott hinführen, kann er unseren Lebensdurst, unsere Sehnsucht nach Gott stillen, ist er wie eine Wasserquelle, wie er es der Samariterin am Brunnen deutlich macht. Mehr noch: Wenn wir von seinem Wasser trinken, können wir auch füreinander zu einer sprudelnden Wasserquelle werden und den anderen so helfen ihren Lebensdurst zu löschen.
Weil Gott in Jesus wirksam ist, kann er auch unsere Augen öffnen für das, was wirklich wichtig ist, für die wesentlichen Dinge im Leben, für die wir oft blind sind, obwohl wir sehen. Das macht Jesus deutlich, indem er einem blind Geborenen die Augen öffnet und dadurch eine neue Lebensqualität schenkt. Jesus kann uns die Augen öffnen, für das echte und wahre Leben, das nur ein Leben mit Gott sein kann.
Und indem Gott in und durch Jesus wirkt, macht er auch klar, dass er ein Gott ist, der sogar den Tod überwindet. Er öffnet die Gräber. Er lässt Lazarus in sein vorheriges Leben zurückkehren. Er hat Macht über Leben und Tod. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Weder der physische, noch der psychische Tod, wenn jede Hoffnung in uns gestorben ist, wenn alles aussichtslos ist. Gott kann dann unser Grab öffnen und er will es. Gott ist mächtig, uns er ist am Werk, auch da, wo wir das Leben nicht mehr verstehen.
Weil Gott in Jesus am Werk ist, kann dieser Tote zum Leben erwecken: Wie die Tochter des Jairus, den jungen Mann in Nain, und sein machtvoller Ruf führt den Lazarus aus dem Grab heraus. Die Auferweckung des Lazarus war eines der sieben Zeichen im Johannesevangelium, mit denen Jesus die Macht und Liebe Gottes gezeigt hat, um den Glauben seiner Jünger zu wecken und zu stärken.
„Die zentrale Aussage dieses Evangeliums liegt in den Worten Jesu an Martha: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.” - „Glaubst du das?“, fragt Jesus sie. „Glaubt ihr das?“, fragt er uns!
Wenn es keinen Gott gibt, dann sind wir Menschen wirklich hoffnungslos dem Tod ausgeliefert. Hoffnung gegen die Macht des Todes gibt es nur, wenn da jemand ist, der unsere innerweltlichen Lebensbedingungen übersteigt und den wir Gott nennen. Und wenn Gott uns in Jesus nahe gekommen ist, dann - ja dann hängt alles an dieser Zusage Jesu: "Ich bin die Auferstehung und das Leben".
Aber es kommt noch mehr. Gott tut noch mehr: Er gibt Jesus nach seinem Tod, zu Ostern eine neuartige, unverwüstliche Existenz. In diesem Sinne stimmt uns das heutige Evangelium auf das kommende Osterfest ein. Unser Gott ist ein Gott des Lebens. Er will, dass wir leben. Glaubt ihr das?
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