9. So im Jahreskreis- Lesejahr A

06.03.2011

Evangelium nach Mathäus (7,21-27

Und Jesus sagte in seiner Bergpredigt: »Nicht alle, die zu mir sagen 'Herr, Herr', werden in Gottes neue Welt kommen, sondern nur die, die auch tun, was mein Vater im Himmel will.

Am Tag des Gerichts werden viele zu mir sagen: 'Herr, Herr! In deinem Namen haben wir prophetische Weisungen verkündet, in deinem Namen haben wir böse Geister ausgetrieben und viele Wunder getan.' Und trotzdem werde ich das Urteil sprechen: 'Ich habe euch nie gekannt. Ihr habt versäumt, nach Gottes Willen zu leben; geht mir aus den Augen!'« - »Wer diese meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baute. Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten und der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, stürzte es nicht ein, weil es auf Fels gebaut war. Wer dagegen diese meine Worte hört und sich nicht nach ihnen richtet, wird am Ende wie ein Dummkopf dastehen, der sein Haus auf Sand baute. Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten, der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, fiel es in sich zusammen und alles lag in Trümmern.«

Gedanken zum Evangelium

Was trägt mein Lebenshaus, wenn ich den Arbeitsplatz verliere, wenn ich durch einen schweren Unfall meine Gesundheit einbüße, wenn ich durch Tod meinen Partner verliere, wenn der Krieg mir das Haus wegbombt oder eine Flutkatastro-phe mir meine gesamte Habe wegspült? Was trägt dann mein Leben? Wo habe ich dann noch festen Grund? — Wo finde ich einen Halt, wenn neue Denk- und Verhaltensweisen, neue Fähigkeiten und Kenntnisse gefragt sind; wenn ein tief-greifender Wertewandel sich vollzieht und neue Orientierungen fehlen — woran finde ich dann Halt?

Vor kurzem sah ich eine Fernsehsendung, in der namhafte österreichische Intellektuelle über die Frage diskutierten, was in unserer Gesellschaft eigentlich noch moralisch Handeln heißt. Welche Lebenswerte gelten noch? Nach welchen ethischen Werten können wir ein Verhalten beurteilen, ob es gut oder böse ist? Und vor allem: Wer bestimmt die moralischen Maßstäbe? Die Fragen wurden gestellt, aber es gab keine Antworten. Ist der moderne Mensch orientierungslos geworden? Dass die Kriterien für Gut und Böse letztendlich etwas mit Gott zu tun haben, auf diese Idee kam keiner der Gesprächsteilnehmer. Im Gegenteil, hätte einer es gewagt, in diese Richtung zu reden, hätten alle protestiert! Gott spielt keine Rolle mehr. Wir leben in einer Welt ohne Gott.

»Wer diese meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigem Grund baute“, sagt Jesus. Ein Christ ist ein Mensch, der sich an die Worte Jesu hält, weil sie das ausdrücken, was Gott uns zu sagen hat, weil sie uns Orientierung für unser Leben geben, uns helfen zu unterscheiden zwischen dem was Gut und was Böse für unser Leben und unser Menschsein ist.

Und im Buch Deuteronomium (1. Lesung) sagt Gott: „Diese meine Worte sollt ihr auf euer Herz und auf eure Seele schreiben.“ Es geht nicht nur darum, mit unse-rem Verstand zu verstehen, was Gott will. Seine Worte müssen unser Herz errei-chen, damit wir auch nach ihnen handeln.

Und Jesus fügt hinzu: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird zu Gott finden, sondern nur, wer den Willen meines Vaters erfüllt.“ Wir dürfen es nicht bei Lippenbekenntnissen belassen. Letztentscheidend ist nicht, ob ich die Formu-lierungen des Glaubensbekenntnisses und die Antworten auf Katechismusfragen richtig aufsagen kann; gefordert ist vielmehr meine Bereitschaft, mein ganzes Verhalten bis in den Alltag hinein an Jesu zu orientieren.

Mehr noch: Ein Glaube, der nur aus schönen Worten, frommen Gebeten, schönen Hl. Messen, Andachten und Wallfahrten besteht, ist wertlos, wenn all dies nicht zu mehr Taten führt. Es gibt den Ausdruck „praktizierender Christ”. Damit ist landläufig gemeint, dass jemand betet, Sonntagsmessen mitfeiert, Sakramente em-pfängt. Das ist aber nur die eine Seite des Christseins. Tatsächlich ist ein praktizierender Christ, wer den Glauben auch im Alltag lebt.

Und sogar Taten können rein äußerlich sein, wenn sie nicht aus Liebe geschehen. Jesus sagt: „Viele werden zu mir sagen: 'Herr, Herr! In deinem Namen haben wir den Glauben verkündet, in deinem Namen haben wir gegen das Böse gekämpft, und vielen geholfen. Ich werde zu ihnen sagen: Ich habe euch nie gekannt. Ihr habt versäumt, nach Gottes Willen zu leben.' Glaube ohne Liebe ist kalt und tot.

Nicht unsere Worte und auch nicht unsere Taten sind also letztlich der Maßstab. Beides kann sehr äußerlich sein, ohne unser Inneres zu ergreifen. Worauf es ankommt, ist die Liebe, mit der wir reden und handeln. Sie allein ist das Funda-ment, der Fels, auf dem das Haus unseres Glaubens und unseres Lebens Bestand hat.

Wer von der Botschaft Jesu ergriffen ist, wer sich nicht nur mit den Lippen zu Jesus bekennt, sondern ihn tatsächlich zum Herrn und zur Richtschnur seines Lebens und Handelns macht, der hat sein Haus in der Tat auf Felsen gebaut.

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