4. FASTENSONNTAG

18. März 2012

Evangelium nach Johannes (3,16-21):

Jesus sprach zu Nikodemus: Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

Gedanken zum Evangelium

Wir haben gerade einen Ausschnitt aus einem (nächtlichen) Gespräch von Jesus mit Nikodemus gehört, einem heimlichen Anhänger von Jesus. Dieses Gespräch ist wie eine Art Katechese aufgebaut, die das zusammenfasst, was der Evangelist Johannes als den Kern des christlichen Glaubens seiner Gemeinde bekennt. Folgende Aussagen von Jesus gehören also zum Fundament unseres christlichen Glaubens:

  • Gott hat Jesus in unsere Welt gesandt, weil er uns liebt.
  • Gott hat Jesus in unsere Welt gesandt, damit wir nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.
  • Gott hat mit Jesus nicht einen Richter gesandt, um uns zu urteilen oder zu verurteilen, sondern um uns zu retten.

Solche Aussagen müssen wir einmal auf uns einwirken lassen. Wenn sie langsam aber sicher in unseren Verstand und in unser Herz einsickern, dann wird uns bewusst, welch ungeheuer gute Nachricht Gott uns durch Jesus sendet, wie unheimlich wertvoll diese frohe Botschaft für unser Leben ist. Ja, dann kann tiefe, befreiende Freude in uns aufkommen.

Gott ist nicht wie ein menschlicher Richter, der darüber urteilt, ob einer schuldig oder unschuldig ist und dann freispricht oder verurteilt und bestraft. Im Johannesevangelium gibt es keine Darstellung vom Ende der Welt mit einem gewaltigen Gottesgericht, wo Gott als ein übermächtiger Richter erscheint und der Mensch klein und beschämt mit seinen Vergehen vor Gott steht.

Das ganze Leben, das Handeln von Jesus, seine ganze Persönlichkeit schildert uns einen Gott, der unser Leben will, nicht unseren Tod, unsere Rettung, nicht unsere Verurteilung. Auch wenn wir untreu sind, schreibt Gott niemanden von uns ab. Keinen lässt er fallen. Jeder ist ihm weitere Mühe wert. Nicht durch Androhung von Strafe, sondern durch seine Liebe will Gott uns gewinnen und dazu bewegen, selbst mehr und mehr Menschen echter Liebe zu werden - und nur das ist wahre Leben. Nur ein geliebter Mensch kann selbst wahrhaft lieben.

Es ist typisch für Jesus, dass er es unterlässt uns immer zu mahnen, das Böse zu meiden. Jesus, will uns zu mehr bewegen, nämlich: Nicht nur das Böse meiden, sondern herzhaft das Gute anzustreben - mit Schwung, Kraft und Begeisterung. Wir sollen Freude am Guten und Gut-Sein entwickeln. Dort, wo wir eher mehr stöhnend oder aus Pflichtempfinden heraus helfen und Gutes tun, sind wir durchaus eine Hilfe, aber es fehlt der Glanz, das Leuchtende und Spritzige an unserer Hilfsbereitschaft - die Freude in unserem Herzen, weil wir selbst geliebt sind.

Dass dennoch jemand gerichtet wird, schließt Jesus freilich nicht aus. „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht an ihn glaubt, ist schon gerichtet...“ Es ist ein Selbstgericht, eine Selbstverurteilung, weil wir Jesus, das Angebot Gottes, nicht ernst nehmen und nicht in seinem Sinne leben. Gericht und Heil, Tod und Leben – sie hängen an unserer Entscheidung für oder ohne Jesus! Wir können das vergleichen mit einem, der im Wasser liegt, dessen Kräfte nicht reichen um ans rettende Ufer zu kommen … und trotzdem ergreift er nicht den Rettungsring, der ihm zugeworfen wird! Er will nur auf eigener Kraft weiterkommen und geht dann zum Schluss unter, ist verloren. Ist Jesus nicht dieser Rettungsring, den Gott uns zugeworfen hat?

Im Gespräch mit Jesus findet Nikodemus zu einer Vertiefung in seinem Glauben. Suchen auch wir immer wieder die Auseinandersetzung mit Jesus? Versuchen wir ernsthaft, ihn immer besser zu verstehen, ihn besser kennen zu lernen und die Lebensweise zu übernehmen und einzuüben, die er vorgelebt hat? Dann werden wir nicht verloren gehen. Dann wird in der Tiefe unserer Seele eine Freude wachsen, eine Lebensfreude – weil Gott uns liebt.

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