CHRISTTAG

Weihnachten anders erzählt. Dieses Weihnachtsevangelium von Johannes ist nicht eine rührende Geschichte von einer Krippe und einem Kind wie bei Lukas. Johannes verwendet eher hochgeistige Worte und Formulierungen, die die tiefe Bedeutung von Jesus für uns zum Ausdruck bringen wollen.

Was ist mit der Geburt Jesu in der Welt anders geworden? Diese Frage versucht der Evangelist Johannes mit Begriffen wie „Wort“ und „Licht“ zu beantworten.

Der griechische Begriff »logos« kann mit „Wort“, „Geist“ oder auch „Sinn“ übersetzt werden. Gott, der Anfang, aus dem alles entstanden, geschaffen ist, der Ursprung, der alles zusammenhält und Sinn gibt, Gott hat gesprochen. Der große, unfassbare Gott, der das unvorstellbar große, sich immer noch ausdehnende Universum, in dem Leben und bewusstes Leben entstanden ist, ins Dasein gerufen hat, hat sich mitgeteilt, hat die Menschen neu angesprochen.

„Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott schon gesprochen durch die Propheten“, heißt es im Hebräerbrief. Immer wieder hat Gott sich mit den Menschen in Beziehung gesetzt und diese Beziehungen neu zu knüpfen versucht, auch dann, wenn der Mensch sie mit seinem »Nein« abgebrochen hatte.

Gott lässt die Menschen nicht los. Mit Jesus versucht Gott es aufs Neue, auf eine noch nie da gewesene Weise. Er spricht und handelt in Jesus. Er offenbart den tieferen Sinn der Schöpfung, des Lebens, der gesamten Wirklichkeit. Mit Jesus wird der vom Schöpfer hineingelegte Sinn erkennbar und sichtbar.

Deswegen ist dieser Jesus für uns wie ein Licht. "Es werde Licht", sagt Gott in der Schöpfungserzählung. Das Licht überwindet die Finsternis, gibt unserer Rat- und Orientierungslosigkeit einen Halt, dort wo Krieg, Terror, menschenverachtende Situationen, Heimatlosigkeit, Flucht, Elend, Hunger, Angst, Krankheit, Hass, Neid ... uns bedrohen. Jesus erhellt das Leben aller, die an ihn glauben, ihn ernst nehmen, und bereit sind, sich als Kinder Gottes zu verstehen. Gott hat das letzte Wort. Er will das Leben für seine Kinder. Jesus zeigt uns den richtigen Weg.

Der Logos, der Sinn, der Geist Gottes ist menschlich sichtbar, spürbar geworden. Gott wird greifbar in Jesus. In Jesus spricht Gott uns Menschen auf Augenhöhe an - er hat sich uns angepasst, damit wir ihn verstehen können. Gott bekommt in Jesus ein menschliches Gesicht. Gott zeigt sich als ein Gott, mit dem man vertraut werden kann, zu dem man Vertrauen haben und bei dem man sich geborgen fühlen kann.

Das Drama ist nun aber, dass das Licht in der Finsternis leuchtet, und die Finsternis es nicht ergreift. Gott wendet sich der Welt, seinen Menschen zu, aber diese erkennen ihn nicht. Sie negieren sogar seine Existenz. Sie wollen sich nicht als seine Kinder verstehen und eigenmächtig eigene Wege gehen. Sie haben das „Angebot“ Gott, Jesus, umgebracht. Sie wollten ihn mundtot machen. Sie wollen es immer noch. Aber Gott lässt das nicht zu. Er gibt Jesus eine neue Existenz, zeigt so seine Macht über die tiefste Finsternis, über den Tod. Gott gibt es nicht auf um die Menschen zu werben. Jesus ist das Wort von Gott und so unser Licht, auch für uns heute.

Das ist die Weihnachtsgeschichte, wie der Evangelist Johannes sie geschrieben hat. Eine Geschichte, die für unser Leben und für unser Menschsein bestimmend ist. Deswegen feiern wir Weihnachten, ein Fest der Glaubens- und Lebensfreude.

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